Die 6er Sesselbahn Lauchernalp-Stafel ist bis 16. August täglich bei gutem Wetter in Betrieb.
Täglicher Busbetrieb Lauchernalp-Fafleralp und Wiler-Faldumalp/Kummenalp
Die Platzreservation für die Busse über www.sbb.ch ist obligatorisch.

Die Wunden werden heilen, die Narben bleiben …

Eine tiefe Narbe durchzieht das Tal. Es wird Generationen dauern, bis sie verheilt ist. Doch wie bei einer Wunde prägen die ersten Schritte nach dem Ereignis den weiteren Heilungsprozess entscheidend.

Die Kulturlandschaft des Lötschentals zeichnet sich seit Jahrhunderten durch das Zusammenspiel von menschlicher Nutzung und natürlicher Dynamik aus. Nutzbare Ebenen, sanfte Geländeterrassen und gut erreichbare Hänge wurden als Äcker, Wiesen und Weiden bewirtschaftet. Dazwischen blieben Bergwälder, Bachläufe, Schuttkegel und wilde Naturräume erhalten.

Besonders an der Sonnenseite des Tales wurde der Wald über Generationen zurückgedrängt, um Platz für Siedlungen, Ackerbau und Weideflächen zu schaffen. Die steilere Schattenseite diente hingegen vor allem als Mähwiesen- und Weideland. So entstand jene vielfältige Kulturlandschaft, die das Lötschental bis heute prägt.

Davon zeugen auch die zahlreichen Stall-Scheunen, die sich überall dort finden, wo wertvolles Wiesland bewirtschaftet wurde. Die kleinen, sonnengebräunten Holzbauten am Waldrand, umgeben von goldgelben Lärchen im Herbst, haben wesentlich zum charakteristischen und romantischen Landschaftsbild des Tales beigetragen.

Der Wald nimmt sich seinen Raum

Mit dem Bau der Talstrasse konnte die Abwanderung gebremst und die Bevölkerungszahl langfristig stabilisiert werden. Gleichzeitig ging jedoch die Nebenerwerbslandwirtschaft zunehmend zurück. Viele Flächen wurden nicht mehr regelmässig genutzt, wodurch sich Wald und Gebüsch insbesondere an den sonnigen Talhängen stark ausbreiten konnten.

Heute prägen deutlich grössere Waldflächen das Erscheinungsbild des Lötschentals als noch vor fünfzig Jahren. Die Landschaft befindet sich in einem ständigen Wandel zwischen Nutzung und natürlicher Rückeroberung.

Das Zusammenspiel von Bergwald, Weideflächen, Mähwiesen, Bachläufen, Schutt- und Lawinenkegeln sowie den markanten Geländestufen zwischen Tennmatten, Ried und Blatten verlieh diesem Talabschnitt eine besondere Eigenständigkeit.

Kann man Kulturlandschaft planen?

Das vom Bergsturz verschüttete Gebiet umfasst rund 2,5 km². Dies entspricht im Vergleich fast 3 Prozent der Fläche der Gemeinde Blatten oder 17 Prozent der Fläche der Gemeinde Wiler. Betroffen sind leider jene Flächen, die sich für Siedlungen und die landwirtschaftliche Nutzung besonders gut eigneten.

Zerstört wurden zudem wichtige Verkehrsverbindungen innerhalb des Tales sowie die Erschliessung des Weilers Weissenried und der Alpe Tellin. Im Bereich Tennmatten wurde die Abwasserreinigungsanlage der Gemeinde Blatten beschädigt, zwischen Ried und Blatten gingen sämtliche Infrastrukturleitungen verloren.

Die verantwortlichen Stellen sind sich einig, dass die zukünftige Entwicklung des verschütteten Gebietes nicht dem Zufall überlassen werden darf. Ziel ist eine ganzheitliche Planung unter Einbezug aller wichtigen Akteure. Gemeinsam soll festgelegt werden, wo künftig wieder Landwirtschaft betrieben werden kann, wo sich Einheimische und Gäste bewegen und erholen können und welche Flächen bewusst den natürlichen Prozessen überlassen werden.

Wälder, Weideflächen, Terrassierungen, Lebensräume für Tiere und Pflanzen, neue Auenlandschaften und Siedlungsräume werden dabei Teil einer neuen Kulturlandschaft sein. Sie alle tragen dazu bei, dass die Wunde, welche der Bergsturz hinterlassen hat, mit der Zeit heilen kann.

Gleichzeitig sind die Entwicklungen im Bergsturzgebiet auch für die Wissenschaft von grossem Interesse. Die Veränderungen von Landschaft, Ökosystemen, Naturgefahren und Wiederaufbauprozessen bieten zahlreiche Forschungsansätze. So entsteht, wenn auch aus einem tragischen Anlass, ein einzigartiges Untersuchungsgebiet, in dem Fachleute verschiedenster Disziplinen wertvolle Erkenntnisse gewinnen möchten.