Die Osterspend von Ferden und andere Spendbräuche im Wallis

« Zurück zur Übersicht

Begleitpublikation zur gleichnamigen Ausstellung im Lötschentaler Museum, 1992, Deutsch/Französisch

 

Über den Ursprung der Löblichen Spend von Ferden gibt es im Lötschen eine Sage, die von den Alten immer wieder den Jungen mitgegeben wird:
"Früher, vor mehreren hundert Jahren, wurde oben auf den Alpen, auf Faldum, auf Resti und auf Kummen, manchmal das Vieh auf geheimnisvolle Weise weggetrieben. Eines guten Tages, mitten im Sommer, hörten Hirten auf einmal rufen:

Hei, lo, plo, plo
schwarzi Chuä, bruni Chuä,
gang im Mutzlihorn zuä.


Die Hirten wollten ihre Kühe zurücktreiben, aber es gelang ihnen nicht. Auf einmal waren alle Kühe verschwunden. Erst nach zwei, drei Tagen kamen sie wieder zurück; sie trugen Kornähren zwischen den Klauen und gaben blutige Milch. Da versprachen die Alpgeteilen, jedes Jahr ein Almosen zu auszurichten, wenn diese Plage aufhöre. Sie kamen übrerein, jeden Sommer den Alpnutzen zweier Tage, das ist die ganze Milch samt Rahm ("bid Schluck und Tran"), ohne auch nur Milch für einen Kindertrank daraus zu nehmen, in der Form von Käse und Ziger den Armen zu geben. Daraufhin hörte die Plage auf; das Vieh wurde nicht mehr weggetrieben."